Gherardini, Brunero, Das Zweite Vatikanische Konzil - Ein ausstehender Diskurs


Gherardini, Brunero, Das Zweite Vatikanische Konzil - Ein ausstehender Diskurs


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Der Verfasser, emeritierter Theologieprofessor an der Päpstlichen Lateran-Universität (Fachbereich Ekklesiologie und Ökumenismus), unternimmt in vorliegender Studie in essayartiger Form eine kritische Sichtung der theologischen Kernprobleme, die mit der Rezeption des Zweiten Vatikanum aufgeworfen sind und von denen die nachkonziliaren Epoche seit nunmehr fast einem halben Jahrhundert geprägt ist. Seine Beobachtungen besitzen ihren Wert auch darin, dass er als Zeitzeuge der Jahre vor dem Konzil, der eigentlichen Konzilsphase und der nachkonziliaren Entwicklungen auftritt. Gherardini konstatiert Fehlinterpretationen bzw. fehlende Interpretationen der Konzilstexte, die allzu häufig durch eine Berufung auf einen diffusen „Geist des Konzils“ ersetzt werden. Um diesen unangemessenen Umgang mit dem Konzil zu beenden, fordert er einen umfassenden Diskurs von Fachleuten, der in vollständiger Form erst noch stattzufinden habe: frei von Polemik, in strenger Sachlichkeit und mit der korrekten wissenschaftlich-theologischen Methodik. Für dieses Unternehmen sind nach Gherardini vor allem zwei Parameter unabdingbar:

        1. Grundlegende Klärung des Charakters des Zweiten Vatikanum als eines Pastoralkonzils und umfassende Berücksichtigung dieses Charakters für die theologisch-dogmatische Bewertung des Konzils.

       2. Anwendung des richtigen „hermeneutischen Schlüssels“ für das Verständnis der Konzilsdokumente; dieser Schlüssel besteht in der ‚Hermeneutik der evolutiven Kontinuität’. Gherardini beruft sich auf eine Vorgabe von Papst Benedikt XVI. im Rahmen einer Rede vor der römischen Kurie vom 22.12. 2005: „Auf der einen Seite gibt es eine Auslegung, die ich ‚Hermeneutik der Diskontinuität und des Bruches’ nennen möchte; sie hat sich nicht selten das Wohlwollen der Massenmedien und auch eines Teiles der modernen Theologie zunutze machen können. Auf der anderen Seite gibt es die ‚Hermeneutik der Reform’, der Erneuerung des einen Subjekts Kirche, ... unter Wahrung der Kontinuität.“ Das Adjektiv ‚evolutiv’ dient dazu, den dynamischen Charakter dieser Kontinuität zu akzentuieren, im Sinne der von Vinzenz v. Lérins geprägten Formel nove, non nova („neu, nicht Neues“).

Am kursorischen Durchgang durch wichtige Konzilsdokumente, wie Dei Verbum, Sacrosanctum Concilium, Dignitatis Humanae, Unitatis Redintegratio, Lumen Gentium führt der Verfasser die Anwendung dieser Parameter exemplarisch durch. Er untersucht den Traditionsbegriff, die liturgische Reform, die Religionsfreiheit, den Ökumenismus, das Wesen der Kirche und ihrer Verfassung. Dabei weist er auf wichtige, von der bisherigen Rezeption nicht selten übergangene oder interpretatorisch entstellte Textaussagen hin. Ebenso zeigt er an einigen Kernstellen hermeneutische Schwierigkeiten auf. Gherardini will richtungsweisende Impulse zu dem geforderten umfassenden Interpretati-onsprojekt geben, das von Spezialisten aller theologischen Disziplinen unternommen werden sollte, und damit einen Beitrag zu einem grundlegenden Verständnis dieses Konzils und zu dessen genuiner Einordnung in den Entwicklungsprozess der Offenbarung im Verlauf der gesamten Kirchen- und Konziliengeschichte leisten.

 

 

Zur Person des Verfassers

 

BRUNERO GHERARDINI wurde am 1.2.1925 in Prato (Toskana) geboren und am 29.6. 1948 in Pistoia zum Priester geweiht.

Er absolvierte ein Studium der Theologie und Philosophie in Rom. Zwischen 1956 und 1959 verbrachte er vier Sommersemester als auditor an der Universität Tübingen, um die Quellen des Protestantismus zu erforschen.

Seine Lehrtätigkeit an der Päpstlichen Lateran-Universität begann GHERARDINI 1964/65 als Dozent mit einer Lehrveranstaltung ‚De Protestantium Theologia’; 1966/67 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt und 1967/68 als Ordinarius für Ekklesiologie und Ökumenismus installiert. 1969-1974 amtierte er als Dekan der Theologischen Fakultät. 1995 erfolgte seine Emeritierung. Danach hielt noch mehrmals Vorlesungen auf der ‚Cathedra Sancti Thomae’.

Der Kanoniker der Päpstlichen Basilika St. Peter amtiert als Konsultor der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse. Beim Prozess der Seligsprechung von PIUS IX. fungierte er als Postulator, ebenso bei der Beatifikation von DINA BÉLANGER.

Zudem war GHERARDINI Mitglied der Päpstlichen Akademie für Theologie und der Päpstlichen Thomas-Akademie. Seit 2000 ist er als Schriftleiter der Zeitschrift Divinitas tätig. Themenschwerpunkte seiner theologischen Forschung sind: Ekklesiologie, Reformation (MARTIN LUTHER) und neuerer Protestantismus (FRIEDRICH SCHLEIERMACHER bis KARL BARTH), Ökumenismus, Thomismus, Mariologie. GHERARDINI gilt als einer der letzten Repräsentanten der ‚römischen Schule’.

Er ist ein enger Freund des verstorbenen Thomisten CORNELIO FABRO gewesen, der einen maßgeblichen Einfluss auf sein Denken ausgeübt hat.

 

Die italienische Originalfassung dieses Buches mit dem Titel:
Concilio Ecumenico Vaticano II - UN DISCORSO DA FARE
,
kann übrigens bei Interesse unter folgender Adresse angefordert werden:


http://www.casamarianaeditrice.info/

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